Platz der Teilnahmslosigkeit, der Faulheit, der Anti-Haltung, des Informationsentzugs, der Negation, Gemütlichkeit und Ruhe

Eine Verlaufsskizze der Nicht-Partizipation

Beginn, drei Stimmen:

„These people are the actors. There is no possibility of escape. In fact the spectators have no choice. They are obliged violently to participate.“ (1)


„Oft denke ich, es wäre konsequenter, stumm dazusitzen und jede Aussage über die eigenen Wünsche und jeden Verbrauch zu verweigern. [...] Es kann nur noch darum gehen, sich dem Gewebe der Kommunikation und Zirkulation zu entziehen, um Möglichkeitsräume außerhalb ihrer Erfassungsmechanismen zu erschließen.“ (2)

„Können wir nicht im Klassenraum bleiben? Sie können uns doch auch einschließen!“ (3)

Phase 1, Motivation:

Eigentlich habe ich schon in der Schulzeit damit aufgehört, überall dabei zu sein. Oft weiß ich nicht, wie entschieden werden soll, woran teilgenommen wird. Oft frage ich mich auch, wer denn nun will, dass ich mitmache. Oder wer damit Gewinne erzielt. Und wer dadurch ausgeschlossen wird. Diese Haltung einzunehmen verschafft einem unter bestimmten Rahmenbedingungen ein schönes Potential für künstlerische und soziale Prozesse. Denn gerade dadurch: durch Positionierung, durch Ablehnung, auch durch Faulheit und Ruhe hat sich die Auseinandersetzung mit künstlerischen und kulturellen Fragestellungen weiterentwickelt. Mit populären Worten: Wie kann ich partizipative Projekte umsetzen, die nicht zwanghaft zu Partizipation auffordern, sondern eine selbstbestimmte Beteiligung für alle zulassen?

Phase 2, Intervention:

Bei der Ankunft zum Kongress in Dresden herrscht bereits rege Betriebsamkeit. Ich suche mir für die bestickte Decke, den Platz der Teilnahmslosigkeit, einen schönen Ort: im Foyer, zentral vor der gewaltigen Fensterfront, mit wunderbarem Ausblick auf den Großen Garten. Für eine teilnahmslose Teilnahme ein idealer Platz, denke ich. Der Versuch, einen kleinen Raum zu öffnen. Gleichzeitig wie ein unaufgeregtes und unscheinbares Denkmal.

Phase 3, Pause:

Der Kongress nimmt sehr viel Raum ein und steht oftmals im Zeichen der Profilierung. Das Gehabe interessiert mich nicht im Geringsten. Nach der ersten Kaffeepause liegt der Platz der Teilnahmslosigkeit etwas erbärmlich da: schmutzig, schief, voller Kaffeeflecken. Am nächsten Morgen wird er dann durch das Servicepersonal verlegt – er lag im Weg des Büffets. Einfach mal Pause machen.

Phase 4, Interaktion:

Ich partizipiere plakativ provokant an einigen der übrigen Square-Beiträgen. Der Versuch, Reaktionen zu bewirken. Weitere Reaktionen auf den Platz der Teilnahmslosigkeit verlaufen meist nach gewöhnlichen Verhaltensmustern einer Kunstbetrachtung: vorsichtig, introvertiert, reflexiv, affirmativ lobend, technikerfragend...

Ende mit Hund:

Wieder zu Hause angekommen wird der Platz der Teilnahmslosigkeit in meiner Abwesenheit vom Hund fast komplett zerfetzt. Er hat also doch noch zu einer impulsiven und widerständigen Teilhabe eingeladen.

(1) Carnevale, Graciela: „Project for the Experimental Art Series, Rosario, 1968“, in: Bishop, Claire (Hg.): Participation, London: Whitechapel Gallery 2006, S. 117.
(2) Dany, Hans-Christian: „Wir werden reich heute Nacht“, in: Starship Zwischenausgabe 1.11.11., Berlin 2011.

(3) Realschüler, 6. Klasse, 2013.